Dienstag, 3. Juni 2008

Faulgesagte schlafen länger

Ööh, ja...da war doch was...irgendwas hab ich vergessen.

...ach ja!

Das Blog!

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Das Ende meines Auslandssemesters kam dann doch sehr plötzlich, irgendwie. Auf einmal ist Prüfungswoche, dann auf einmal alle Prüfungen weg und schon isses Freitag der 16. und wir sind kurz vorm Ausziehen. Zusammen mit Dale und Sedat ziehe ich eine Putz- und Packorgie auf, und wir bringen das Apartment im Wohnheim wieder halbwegs in Schuss. Am Samstag dann der Abschied. Soviel zu SDSU. War eine schöne Erfahrung und die Noten passen auch. :)

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Die letzten Wochen habe ich nun bei Kasey verbracht, und wir haben die freie Zeit ordentlichst vergammelt. Ich habe viel zu viel Fast Food absorbiert und mein Hintern zeigt erste Abnutzungserscheinungen. Das soll aber nicht heißen, das wir überhaupt nix unternommen haben...so waren wir zum Beispiel gerade letzten Sonntag im Disneyland.

Disneyland in einem Wort zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Man könnte natürlich die üblichen Superlative gen Himmel schleudern, also geil, super, abgefahren, krass oder andere Auswüchse der tee-nagenden Verbalkultur, aber im Dienste meiner Exzentrik fällt diese Wahl auf professionell. Disneyland ist ein zutiefst durchkalkuliertes Unterfangen, was es sicher seiner langen Existenz und großzügigsten Finanzierung verdankt. Das ist ein Superorganismus, der keine Angst vor Selektionsdruck haben muss, denn fast alle Macken und Schwächen wurden vor langer Zeit ausradiert. Alle Attraktionen sind handwerklich einwandfrei, kreativ und machen Spaß - selbst die Achterbahnen waren für diesen nicht schwindelfreien Karbonsack erheiternd. Wir sprechen hier von der perfektionierten Zähmung der Fliehkräfte.

Wie so oft haben Amerikanismen mehr Sinn, wenn man sie aus den Vereinigten Staaten betrachtet. Der typische Themenpark scheint ein geradezu supergenaues Utensil der kalifornischen Unterhaltung zu sein und passt wie die zuckersüße Faust ins sonnige Auge. Wollt ihr wissen, warum Attraktionen mit Spritzwasser um sich greifen? In der kalifornischen Sonne trocknet das. Souvenirshops schrauben sich in ungeahnte Höhen der Offensichtlichkeit, wenn man ein entsprechend williges Publikum hat - und die Sammler waren auf der Pirsch. Disney T-Shirts überall. Das ist "brand loyalty", liebe Freunde, und ich würd gern mal wissen, wieviel Leute mit "Heidepark" T-Shirt in den Selbigen pilgern. Kostüme und Themen erscheinen glasklar im Spiegel des amerikanischen Disney-Raubrittertums der Weltkultur. Man hat hier das ver-parken von anderen Orten der Welt geradezu erfunden, weil die US-Medienindustrie so stark auf die Verarbeitung von kulturellem Rohmaterial in das Fertigprodukt Unterhaltung ausgelegt ist. Und noch mehr als die Beackerung von Erz oder Öl stellt diese industrielle Polierung von Memen das wahre Kriterium für die erste Welt im 21. Jahrhundert dar.

...was zum Teufel hab ich da gerade gesagt?

Ab und zu findet sich unter der auf Hochglanz getrimmten Oberfläche subversives Material; man denke an Star Tours, eine seit den 80ern fast unveränderte Attraktion mit einem Old-School "Star Wars"-Flair, Splash Mountain als eine der wenigen von Disney gebilligten Zugeständnisse an den ansonsten totgeschwiegenen Film "Onkel Remus' Wunderland" (hier einst stark unter Feuer wegen angeblicher Verharmlosung von Sklavenhaltung) oder eine Statue von Walt Disney und Mickey Maus, wobei die lange Nase des Letzteren etwa auf Hüftniveau des Erstern nach vorne sticht, und wenn man das jetzt von der Seite anguckt...ähem. Schmutzige Gedanken muss man aber selber mitbringen. In dieser Art offenbart sich diese augenscheinlich augenschmunzelnde Unterwelt als Bonusmaterial für Eltern und Teenies, die eine kurze Pause vom visuellen Zuckerschock brauchen. Man kann sich offiziell clever fühlen, diese Geheimnisse zu kennen, als würde man Disney damit etwas auswischen, aber schlussendlich hat man ja trotzdem Eintritt gezahlt. Und ich vermute doch stark, dass es der Firma Disney egal ist, wozu man denn in den Park eingelassen werden wollte, so lange es aus PR-Gründen genügend "plausible deniability" gibt.

Oder, ums genauer auszudrücken, Disney untergräbt das Subversive, macht die Rebellen zu Kunden und lächelt dabei immer brav über die Selbstironie hinweg. Alles sehr amerikanisch.

Und weil ich mich einem solch brillianten Geschäftsmodell nicht entziehen konnte, hab ich mir dort gleich einen schönen Lederhut gekauft. Fotos folgen, sobald ich mein verdammtes Speicherkarten-Lesegerät finde...