Die gestrigen Ereignisse bewegen sich im Kontext einer verschlungenen Lokomotion unter Einbeziehung eines beräderten Utensils mit Dinosaurierbefeuerung, sprich: Roadtrip! Kinners, ihr glaubt mir jetzt nicht, wie weit das ist, von Huntington Beach hoch nach San Fran, aber es ist weit...so etwa Hannover-München, wenn man den direkten Weg nimmt. Was wir natürlich nicht taten.
Zuerst führte mich Kasey zum Meridian's, wo wir uns in aller gegebenen Ruhe ordentliche Mengen an Pepperoni-Pizza reinzogen. Mittagfressen halt.
Wir wählten die landschäftliche schöne Route, größtenteils dem Pacific Coast Highway folgend. Das führte uns unter anderem durch solche Landschaften...
Hat was Irlandiges, nich? (Naja, weniger besoffene Iren. Wenn man das als Pluspunkt buchen will.)
Hier sehen wir die Staatenblume Kaliforniens, der kalifornische Mohn. Wie man das jetzt aufs Brötchen bröselt, weiß ich auch nicht.
Ab und zu müssen wir unseren Vorrat an toten Urzeitechsen ergänzen. Ich glaub, die Gallone war mal ein Diplodocus.
"Klifftastisch!" Das hier ist Nordkalifornien, Baby. Hier gibts Strand...für Erwachsene.
Was folgt, ist die haarsträubenste Küstenstraße, die man mit Steuergeldern bauen kann. Auf etwa 100 Meilen ist der PCH...sehr pazifisch, seh küstennah, sowas von kein Highway. Kasey nimmt die Kurven gelassen, ich bemächtige mich der Innenausstattung des Wagens und freue mich insgeheim, wenn wir hinter einem Wohnwagen feststecken. Das ist genau die Art von Straße, die man einspurig auslegen sollte, und zwar wortwörtlich in eine Richtung - vor allem wenn Kasey Kagawa die Karosse reitet und der Winkel seines Grinsens von der Wahrscheinlichkeit einer schröcklichen Kollision mit dem Gegenverkehr abhängt. Er fragt mich ganz nebenbei, ob ich denn was "richtig geiles" sehen will. Sicher, sag ich, denn ich bin mir ziemlich sicher, das wir dafür anhalten müssen.
Wir cruisen lässigst und in tiefster Verachtung für die Gesetze der Natur in das Parkareal des "Julia Pfeiffer Burns" Staatsparks.
Was denn, Wald? Hier? Wir sind wohl echt in Nordkalifornien. Kasey führt mich an einem gut ausgeschilderten Pfad zu einem Aussichtspunkt, wo dieses Photo entsteht.
Na, könnt ihr es sehen?
Wasserfall! (Und Menschen da unten. Dieser Teil wird uns gleich ins Verderben reißen.)
Jetzt fragt ihr euch natürlich nur eines: "Aber Robert, du genialster aller Urlaubsknippser, wo ist denn der Weg zum Strand da unten? Den seh ich auf deinem ansonsten vollkommen granatenstarken Bild ja gar nicht. Bin ich denn blind?"
Worauf ich sagen würde: "Danke fürs Schleimen, und es gibt keinen Weg zum Strand."
Wie kommen die Leute da also hin? Definieren wir Weg: Im Sinne eines Pfades gibt es ihn nicht. Im Sinne einer Möglichkeit, von der Klippe oben bis zum Strand zu kommen? Wir denken, dass das gehen muss. Nach zwanzig Minuten suchen und dem Überwinden mehrerer Absperrungen sehen wir vor uns die Klippe, etwa zehn Meter unter uns einige alte Betonstufen und fünfzig Meter unter uns Wellen, die gegen die Felswand schellen.
Alle Kinder unter 16 halten sich jetzt bitte die Augen zu...
In Todesverachtung schuffeln wir langsam die Klippe hinunter. Jeder Stein könnte lose sein, wir greifen nach allem, was fest aussieht, und kraxeln langsam nach unten zu den Stufen. Scharfer Wind bläst von der Seite. Wir sind uns nicht zu fein, uns auf unsere Hintern zu packen und langsam auf den engen alten Pfad nach vorne zu rutschen. Nach einigen Stufen und zehn Minuten sind wir jetzt auf dem Felsen, der ins Meer hineinragt. Das Runterklettern zum Strand ist dagegen Kinderkacke...
Jetzt stehen wir im Sand, die Flut kommt, und ein Felsen versperrt uns den Weg zum Wasserfall. Was machen wir? Wir warten, bis die Welle bricht und das Wasser abläuft, und rennen wie die Teufel...
Ergebnis: meine Jeans bis zu den Knien nass, Schuhe und Strümpfe abgesoffen und mit Kieseln übersäat. Bei Kasey ähnlich, aber ihm hats gleich die ganze Jeans durchgesifft. Ich mache schnell ein paar Fotos, zum Beispiel dieses...
Und dann der gleiche Spießrutenlauf mit der nächsten Welle, wir sind wieder im "sicheren" Teil des Strandes. Ich ziehe meine Schuhe aus und schütte den Kies raus, zieh meine Socken aus und wickele sie um meine Hände. Wir machen uns an den Aufstieg. Ich guck nur nach oben auf die Felsen, auf den Weg, den wir wieder hoch klettern müssen.
Scheisse.
Fuck.
Fuck-scheisse.
Mit der Kraft der Verzweiflung wickel ich die Socken um meine Hände (zum Schutz vor den Felsen) und wir machen uns auf den Aufstieg. Bis auf den Meeresfelsen schaffen wir es ohne größere Probleme, dann über den schmalen Grat zurück zur Felswand, und hier wirds richtig lustitsch. Das ist vertikal, liebe Freunde und Mitfiebernde, die längsten zehn Meter meines Lebens. Irgendwie schaffen wir es. Irgendwie, keine Ahnung, von einem Halt zum nächsten, Hand, Fuss, jede Bewegung testet unseren Halt aufs Neue, Steine bröckeln unter meinen Fingern hinweg. Meine Beine brennen vor Anstrengung, ich keuche und japse nach Luft. Verdammt, wir sind oben, wir stehen auf festem Boden, wir habens geschafft.
Hallelujah.
Schadensbilanz: Jeans dreckig und nass, Socken dreckig und nass, Schuhe dreckig und nass, Hände dreckig, mein Blut besteht zu 2/3 aus Adrenalin. Aber wir habens geschafft. Gott wacht über kleine Kinder und Idioten wie uns.
Wir steigen ins Auto, wechseln Klamotten, fahren weiter. Die Stereoanlage springt auf Spider Bait - Black Betty.
Fenster runter, Faust, Ziegefinger und kleiner Finger gen Himmel. Headbangen bis zum Genickbruch. Wir donnern und krachen aufm PCH, Stereo auf Anschlag. Wir sind die Helden.
Ach ja, und dann sind wir irgendwann in San Francisco. Uups, wann ist das denn passiert? :D