Wie war sie denn nun, die erste Woche an der San Diego State University?
Reden wir zunächst kurz übers Wohnheim: die Wohnung ist einfach, aber ordentlich. Zimmergenossen (Sedat aus der Türkei und Dale aus den good ol' USA) unkomplizierte, umgängliche Leute. Unsere Schlafzyklen sind nicht so ganz synchron, aber das wird schon. Kurzer Einkauf am Sonntag: Apple Jacks (Frühstückscerealien!), Milch und Mineralwasser. Hier gibts keine Apfelschorle, also saufe ich Mineralwasser wie blöde. (Vati, keinen dummen Gedanken jetzt - wenn ich wieder zuhause bin, hört das auf.)
Nebenerfahrung: Einmal geöffnet sollte Milch gekühlt gelagert werden, auch wenn man die Plastikflasche wieder zuschrauben kann. Anfängerfehler, halt. (Aber nix schlimmes passiert, hab ich noch rechtzeitig gemerkt und in den Ausguss befördert, solange es noch flüssig war.)
Die Kurse laufen etwas anders als in Deutschland: Kein akademisches Viertel, alles wird in 50-Minuten-Einheiten unterrichtet (den berühmten Units - ein Unit = 1 Wochenstunde, so etwa...). Dafür hab ich die meisten Kurse halt mehrmals pro Woche. 12 Units sind Vollzeit-Student, ich habe zur Zeit 16 (Sicherheitspolster!). Wem das zu wenig klingt, der sollte sich vor Augen führen, dass die Hausaufgaben ziemlich reinhauen. Quizze, Tests, Essays...hier kriegen die Lehrer genau mit, wer mitkommt. Ist auf jeden Fall mehr Arbeit als der typische FH-Kurs, aber auch sehr interessant. (Vielleicht hab ich aber auch nur zielsicher die geilen Kurse abgegriffen.)
Essen (weil sich Mutti drum Sorgen macht): Morgens besagte Apple Jacks, mittags wird was von den etwa zwei Dutzen Restaurants geholt. Alles über den Studentenausweis vom Essenplan, und das reicht locker bis abends (ansonsten wird noch was geholt). Ich komme mit dem Budget vollkommen zurecht, und das Zeugs ist extrem lecker. Geilstes bis jetzt: ein Hühnchen-Wrap fast doppelt so groß wie meine Faust, für knappe 6 Dollar. Versuch das mal in Deutschland!
Hab ich schon erwähnt, dass es hier auch nen kleinen Supermarkt aufm Campus gibt, den man mit Essenplan bezahlen kann? Ausnehmend geile Idee. (Oh, ihr armen FH-Studenten. Euch darbt es nach einem Restaurant in der Nähe vom Campus und ich lebe hier im Schlaraffenland. Das einzig Richtige ist es, das ich nächste Woche möglichst viele Fotos mache und euch damit quäle!)
Apropos Fotos: Kommen noch. Hatte die Woche keine große Zeit, aber nächste nehme ich mir einfach mal ein paar Minuten zum Knipsen.
Noch nicht viel von San Diego gesehen, aber über zwei Sachen kann ich schon reden: das Trolley-System und Fashion Valley. Trolleys sind im wesentlichen die S-Bahn von San Diego, alles recht neu und ordentlich gebaut. Fashion Valley ist ein riesiges Einkaufszentrum der *hüstel* gehobenen Preisklasse. Ich war am Freitag Abend dort, um mich ins Kino zu drängeln. Rambo geguckt, das Publikum gröhlt mit, das hat sich gelohnt - aber einkaufen kann man da eher nicht. Aber: Corndog. Hotdog am Spieß mit Maisteigmantel, seeeeeehr lecker.
Und ich laufe mit nem schwarzen SDSU-Hoodie durch die Gegend. So richtig warm ist es noch nicht, aber man kann erahnen, wie das Wetter hier im Sommer abgeht.
Und die Vans (Slipper-Schuhe) laufen sich gut ein.
Samstag, 26. Januar 2008
Donnerstag, 24. Januar 2008
Griffith Park
Sooo...jetzt ist der Robert wieder im Internet-Sattel. Nachhol-Post!
Am letzten Samstag waren Kasey und meine Wenigkeit im Griffith Park, einem der größeren innerstädtischen Parks überhaupt (etwa doppelt so groß wie Central Park in NYC). Das ganze ist formschön eingelagert in die gleiche Gipfelkette, die auch Mulholland Drive und das riesige Hollywood-Zeichen beheimatet. (Dieses wird übrigens Nachts nicht beleuchtet, wofür Kasey auch keinen Grund wusste. Warum nicht? Alles andere wird doch angestrahlt!) Der Park selber ist sicher schön zum Wandern (im Sommer), aber der Höhepunkt ist das Observatorium.
Das besondere am Observatorium ist, dass es erst vor kurzem umgebaut wurde. Daher alles schön modern, mit Schautafeln zu allen Aspekten der Astronomie - und natürlich einer riesigen Teslaspule im Faraday'schen Käfig, sowas darf in einer wissenschaftlichen Ausstellung nicht fehlen. :)
Besonders beeindruckend: Als relativ kleiner Schaukasten gibt sich ein Modell von Proxima Centauri aus - der Stern, der uns nach der Sonne am nächsten ist. Wie eine Plakette schnöde aussagt, ist der Rest des Modells (nämlich unser Sonnensystem) in England...und zwar in einem Maßstab, in dem das ganze Sonnensystem in einem kleineren Dorf untergebracht werden konnte. Und das ist, wie gesagt, der uns nächste Stern, hier in LA, vielleicht halb so groß wie ein Ping-Pong-Ball im Maßstab. Ich empfehle, darüber nicht im Stehen nachzudenken, das gibt nur Kopfschmerzen. ;)
Aber der riesige Kellerbau mit großer Planetenaustellung und einer sogenannten Nebelkammer zur Sichtbarmachung von Hochenergieteilchen sind auch nicht zu verachten. Wie Kasey schnell festzustellen vermochte, kommen einige dieser Teilchen von unten - sie schlagen durch die gesamte Erde durch, ohne dass großartig zu bemerken. Gleich daneben konnte man beobachten, wie hochenergetische kosmische Strahlung Spannungsblitze zwischen Kondensatorplatten erzeugen. Reger Verkehr, und das sind nur die Teilchen und Strahlen, die durch die beiden Detektoren fliegen...da kann einem auch ganz schnell schwindlig werden.
Nächster Stopp: Das Café am Ende des Universums. Da hat wohl jemand zuviel Per Anhalter durch die Galaxis gelesen. (Was natürlich relativ ist, weil - meiner Meinung nach - die meisten Leute zu wenig davon gelesen haben. Sehr lohnende Bücherreihe, wenn man sich nicht von der gräßlichen Hollywood-Verwurstung abschrecken lässt.) Kaseys Urteil über die dortige Lasagne fällt ins positive Mittelfeld, ich enthalte mich.
Planetarium. Für diejenigen unter uns, die das noch nie mitgemacht haben: Kinners, ihr verpasst was! Und auch für diejenigen welchen, deren Leben genug Platz für ein Planetarium oder zwei hatte, werden hier nicht enttäuscht: die Vorführung ist wirklich atemberaubend. Nicht nur ein paar Lichtpunkte, sondern volle Computernaimation über eine riesige Kuppel. Die Vorführung zieht einen im Schnellwaschgang durch die Geschichte der Astronomie, was ich zumindest für ein sehr faszinierendes Thema halte. Aber, wie gesagt, geile Show, auch für den (Englisch sprechenden) Laien verständlich.
Danach noch ein paar Bilder von LA bei Sonnenuntergang und wir heizen wieder heimwärts...
---
Die Fotos gibts hier. (War zu faul, die in den Post extra mit rein zu arbeiten - wenn ihr zu nem bestimmten Foto Fragen habt, dann Kommentar schreiben!) Zu San Diego sag ich am Wochenende was, weil ich a) noch ziemlich im Stress bin und b) noch keine Fotos habe. Nochmals mein tiefstes Sorry für die Lücke, aber auch der beste Student sitzt mal im Funkloch...
(Höchst wahrscheinlich sitzt der da, weil ich ihn reingeworfen habe. ;) )
In diesem Unsinne,
euer aller Robert
Am letzten Samstag waren Kasey und meine Wenigkeit im Griffith Park, einem der größeren innerstädtischen Parks überhaupt (etwa doppelt so groß wie Central Park in NYC). Das ganze ist formschön eingelagert in die gleiche Gipfelkette, die auch Mulholland Drive und das riesige Hollywood-Zeichen beheimatet. (Dieses wird übrigens Nachts nicht beleuchtet, wofür Kasey auch keinen Grund wusste. Warum nicht? Alles andere wird doch angestrahlt!) Der Park selber ist sicher schön zum Wandern (im Sommer), aber der Höhepunkt ist das Observatorium.
Das besondere am Observatorium ist, dass es erst vor kurzem umgebaut wurde. Daher alles schön modern, mit Schautafeln zu allen Aspekten der Astronomie - und natürlich einer riesigen Teslaspule im Faraday'schen Käfig, sowas darf in einer wissenschaftlichen Ausstellung nicht fehlen. :)
Besonders beeindruckend: Als relativ kleiner Schaukasten gibt sich ein Modell von Proxima Centauri aus - der Stern, der uns nach der Sonne am nächsten ist. Wie eine Plakette schnöde aussagt, ist der Rest des Modells (nämlich unser Sonnensystem) in England...und zwar in einem Maßstab, in dem das ganze Sonnensystem in einem kleineren Dorf untergebracht werden konnte. Und das ist, wie gesagt, der uns nächste Stern, hier in LA, vielleicht halb so groß wie ein Ping-Pong-Ball im Maßstab. Ich empfehle, darüber nicht im Stehen nachzudenken, das gibt nur Kopfschmerzen. ;)
Aber der riesige Kellerbau mit großer Planetenaustellung und einer sogenannten Nebelkammer zur Sichtbarmachung von Hochenergieteilchen sind auch nicht zu verachten. Wie Kasey schnell festzustellen vermochte, kommen einige dieser Teilchen von unten - sie schlagen durch die gesamte Erde durch, ohne dass großartig zu bemerken. Gleich daneben konnte man beobachten, wie hochenergetische kosmische Strahlung Spannungsblitze zwischen Kondensatorplatten erzeugen. Reger Verkehr, und das sind nur die Teilchen und Strahlen, die durch die beiden Detektoren fliegen...da kann einem auch ganz schnell schwindlig werden.
Nächster Stopp: Das Café am Ende des Universums. Da hat wohl jemand zuviel Per Anhalter durch die Galaxis gelesen. (Was natürlich relativ ist, weil - meiner Meinung nach - die meisten Leute zu wenig davon gelesen haben. Sehr lohnende Bücherreihe, wenn man sich nicht von der gräßlichen Hollywood-Verwurstung abschrecken lässt.) Kaseys Urteil über die dortige Lasagne fällt ins positive Mittelfeld, ich enthalte mich.
Planetarium. Für diejenigen unter uns, die das noch nie mitgemacht haben: Kinners, ihr verpasst was! Und auch für diejenigen welchen, deren Leben genug Platz für ein Planetarium oder zwei hatte, werden hier nicht enttäuscht: die Vorführung ist wirklich atemberaubend. Nicht nur ein paar Lichtpunkte, sondern volle Computernaimation über eine riesige Kuppel. Die Vorführung zieht einen im Schnellwaschgang durch die Geschichte der Astronomie, was ich zumindest für ein sehr faszinierendes Thema halte. Aber, wie gesagt, geile Show, auch für den (Englisch sprechenden) Laien verständlich.
Danach noch ein paar Bilder von LA bei Sonnenuntergang und wir heizen wieder heimwärts...
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Die Fotos gibts hier. (War zu faul, die in den Post extra mit rein zu arbeiten - wenn ihr zu nem bestimmten Foto Fragen habt, dann Kommentar schreiben!) Zu San Diego sag ich am Wochenende was, weil ich a) noch ziemlich im Stress bin und b) noch keine Fotos habe. Nochmals mein tiefstes Sorry für die Lücke, aber auch der beste Student sitzt mal im Funkloch...
(Höchst wahrscheinlich sitzt der da, weil ich ihn reingeworfen habe. ;) )
In diesem Unsinne,
euer aller Robert
Mittwoch, 23. Januar 2008
Bin nicht tot und/oder faul...
...hab aber noch kein Inet im Wohnheim. (Jo, bin jetzt in San Diego an der Uni und studiere fleissig!) Ich meld mich mit was laengerem, sobald ich nich mehr in der Bibliothek surfen muss.
Samstag, 19. Januar 2008
SDSU
Hab schon ein paar Tage nicht mehr geblogt, weil nich so viel los war...am Donnerstag waren wir kurz einkaufen, hab jetzt nen neuen Gürtel und neuen Hut.


Aber gestern war Einführungsveranstaltung bei SDSU.
9 Uhr in San Diego heißt um 7 los in Huntington Beach. Kaseys Golf quält sich den Highway entlang, hohes Verkehrsaufkommen schon am Morgen. Dann Verwirrung auf dem Campus, die Verkehrsführung ist nicht gerade intuitiv...
Endlich angekommen (gerade noch rechtzeitig!) kommen wir zur großen Begrüßungsveranstaltung im International Student Center. Kasey baut seinen Laptop in der Ecke auf, ich gehe auf Erkundungsreise. Studenten aus allen Ecken der Erde (sogar ein paar Deutsche!), aber ich komme mit einer Gruppe Aussies ins Gespräch. Alles nette Kerle. Die vorherrschende Stimmung ist Freude und Aufregung - wir können es alle kaum glauben, das wir hier sind.

Wir pendeln während der Veranstaltung zwischen dem ISC und einem Saal im Sportgebäude...

...und haben alle nette Namensschilder. :)

Zur Veranstaltung selber gibts ehrlich gesagt nicht viel zu melden. Die ISC-Leute sind alle extrem nett, aber die meisten Infos haben wir vorher schon mitgekriegt. Tagesordnung ist nur, dass wir auf die gleiche Stufe kommen. Aber wenigstens gibts Pizza zum Mittag.

Gaaaaaaanz viele Studenten. Die Bude war rammelvoll. :D

Ergebnis meiner Bemühungen - mein offizieller SDSU-Studentenausweis! Ich setze meine lange Tradition von schlechten Passbildern fort...
Alles Gute zum Geburtstag, Rene! Ich hoffe, ihr feiert das ordentlich!
Aber gestern war Einführungsveranstaltung bei SDSU.
9 Uhr in San Diego heißt um 7 los in Huntington Beach. Kaseys Golf quält sich den Highway entlang, hohes Verkehrsaufkommen schon am Morgen. Dann Verwirrung auf dem Campus, die Verkehrsführung ist nicht gerade intuitiv...
Endlich angekommen (gerade noch rechtzeitig!) kommen wir zur großen Begrüßungsveranstaltung im International Student Center. Kasey baut seinen Laptop in der Ecke auf, ich gehe auf Erkundungsreise. Studenten aus allen Ecken der Erde (sogar ein paar Deutsche!), aber ich komme mit einer Gruppe Aussies ins Gespräch. Alles nette Kerle. Die vorherrschende Stimmung ist Freude und Aufregung - wir können es alle kaum glauben, das wir hier sind.
Wir pendeln während der Veranstaltung zwischen dem ISC und einem Saal im Sportgebäude...
...und haben alle nette Namensschilder. :)
Zur Veranstaltung selber gibts ehrlich gesagt nicht viel zu melden. Die ISC-Leute sind alle extrem nett, aber die meisten Infos haben wir vorher schon mitgekriegt. Tagesordnung ist nur, dass wir auf die gleiche Stufe kommen. Aber wenigstens gibts Pizza zum Mittag.
Gaaaaaaanz viele Studenten. Die Bude war rammelvoll. :D
Ergebnis meiner Bemühungen - mein offizieller SDSU-Studentenausweis! Ich setze meine lange Tradition von schlechten Passbildern fort...
Alles Gute zum Geburtstag, Rene! Ich hoffe, ihr feiert das ordentlich!
Mittwoch, 16. Januar 2008
Blei in die Heide!
Was macht der Robert zum Geburtstag?
Schießen gehen!
Zunächst einmal noch ein paar Motive von Kaseys Haus...hier sehen wir einen kurzen Blick durchs Wohnzimmer. Ich muss irgendwann mal ne komplette Fotostrecke Haus machen, aber das hier ist nur mal zur Orientierung...

Kaseys altes Auto ist ein El Camino aus den 70ern, eine seltsame Mischung aus Muscle Car und Pick-Up. Laut Eigenaussage Kaseys reicht die Motorisierung, um einige Sportwagen an der Ampel abzuhängen (nicht der schnellste, aber beschleunigt sehr gut!). Er versucht jedoch seit Jahren, das Teil loszuwerden - zwei Kabelbrände und andere altersbedingte Scherze...




Zurück zum Thema: Zusammen mit Caitlyn und Leni (einer von Caitlyn's Freundinnen) gehts zum Schießen. Zunächst müssen wir die Waffen aus dem Tresor kramen, was gar nicht so einfach ist, weil uns ca. ein halbes Dutzend Schrotflinten den Weg verstellt. Danach müssen Transportkoffer vom Dachboden geholt werden, Munition aus der Garage geholt werden (die lagert da in einem extra Safe - auch bei den Amis gilt Vorsicht im Umgang mit Waffen!) und das ganze Schrabeutz in die Autos geladen werden. Wir nehmen zwei Gewehre (ein AR-15 mit gigantischer Zieloptik sowie ein M1A aus den 50ern) sowie eine ganze Ecke Pistolen mit. Lass mal schauen, ob ich die alle zusammenkriege - eine kompakte Glock .40 S&W, eine Beretta 92 9mm, eine SIG 9mm, ein .45 Colt, ein .38 Revolver sowie ein .357 Revolver, und schlussendlich eine Desert Eagle .44.
Schwerstens bewaffnet gehts ab zur Schießanlage, etwa eine Stunde entfernt. Ich frage Kasey, ob ich mein Handy (samt Musikbestückung) an die Stereoanlage in seinem Golf hängen darf. Dann sorge ich dafür, dass er seine Zusage bereut. :)
Nach einigem hin und her landen wir dann bei der Anlage. Wir kriegen alle ein Schriebs, das wir unterschreiben müssen - etwa zwei dutzend Regeln, die wichtigsten Vorschriften für Sicherheit auf der Schießbahn. Sinnvolle Maßnahme, meiner Meinung nach. Dann noch Gehörschutz auf und ab gehts. Wir warten, bis die Lautsprecher "One Minute Warning!" blechern. Das bedeutet, die Schützen sollten langsam mit ihrem momentanen Durchgang fertig werden. Dann kommt "Cease fire!", Feuer einstellen. Alle entladen ihre Waffen und treten hinter eine rote Linie, die vor den eigentlichen Schießständen aufgemalt ist. Jetzt darf keiner mehr eine Waffe in der Hand haben. Dann kommt die Freigabe, Ziele zu kontrollieren...wir trapsen in die Anlage und stellen unsere Zielscheiben auf. Nachdem alle wieder hinter der roten Linie sind, kommt Kommando "Commence firing!" - feuer frei. Wir treten an die Schießstände, laden unsere Waffen. Jetzt darf für etwa 20 Minuten geschossen werden.

Von hinten nach vorne: Kasey (mit der Desert Eagle), Caitlyn (mit der Beretta 92) und Salina (mit ihrem .38, nicht im Bild...)

Die rote Linie und einige Patronenhülsen. Wir fegen brav nach jedem Durchgang die Hülsen weg und deponieren diese in einem bereitgestellten Plastikeimer.

Unsere Ziele, auf etwa 7 Meter Entfernung. (Die roten sind unsere, das schwarze Ziel gehört einem älteren Gentleman, der neben uns schießt.)
Ich stelle mich etwas ungeschickt mit der Beretta an, aber einer der Ausbilder kommt lächelnd zu mir und gibt mir ein paar Tips. Nicht festkrallen, locker in der Hand liegen lassen. Damit gehts etwas besser, aber Meisterschütze bin ich jetzt trotzdem noch nicht. :P
Auf Kaseys Drängen versuche ich mich an der Desert Eagle. Klobig und schwer, und ich treffe kaum den Zielaufsteller, vom Ziel ganz zu schweigen. :) Als ich erneut schießen will, fällt das Magazin raus...gegen die Magazinfreigabe gekommen, die ungeschickt weit herausragt. Ich lade das Magazin, aber anscheinend drücke ich es zu weit herein, denn die Waffe klemmt. Kasey behebt die Ladehemmung, während die Mädels und ich die Desert Eagle miesreden. Keine andere Waffe macht soviel Probleme wie dieses Miststück, aber Kasey verteidigt sie hartnäckig. Ihr wisst einfach nicht, wie man damit richtig umgeht! meint er. Wir folgern, dass wir das nicht wissen wollen.
Das hier passiert übrigens, wenn man die Desert Eagle beim Schießen nicht genau richtig hält...

(Das war Salina, nicht ich...) Genau, die Hülse bleibt beim Auswerfen hängen. Wenn mans weniger falsch macht, fliegt sie einem bloß ins Gesicht. Wie gesagt, nicht gerade mein Ideal einer gut funktionierenden Waffe...
Mit dem .357 Revolver habe ich ne Ecke mehr Glück - der Rückstoß ist akzeptable, die Waffe ist präzise, keine Funktionsstörungen irgendeiner Art. Hier ist mein Ergebnis...gar nicht mal so schlecht für die ersten 12 Schuss überhaupt aus einem großkalibrigen Jagdrevolver.


Kasey muss uns natürlich allen sofort zeigen, wie man das "richtig" macht...
Hier seht ihr die ganze Anlage vor uns. Geht etwa 400 Meter, meiner Schätzung nach...

Wir ziehen zur anderen Seite um und bauen unsere Gewehre auf. Jetzt sollen Löcher auf 150 Meter gestanzt werden...und zwar mit diesem Prachtstück:

AR-15 mit schwerem Lauf und 6x Zieloptik - schwer wie Hölle, aber sehr angenehm zu schießen. Hier fühle ich mich etwas wohler und bringe auch ein paar ganz akzpetable Ergebnisse auf die Zielscheibe, obwohl wir uns alle einig sind, dass die Optik nicht ganz eingenullt ist - die Waffe zieht nach oben.
So sieht die Munition für das Gewehr aus...


...und so der Robert beim Zielen.
Ergebnis? Etwa 200 Schuss der verschiedensten Kaliber verballert, dreckige Hände und der wohlige Anfang eines Muskelkaters in den Armen...aber Spaß machts, der Schießsport... :)
Schießen gehen!
Zunächst einmal noch ein paar Motive von Kaseys Haus...hier sehen wir einen kurzen Blick durchs Wohnzimmer. Ich muss irgendwann mal ne komplette Fotostrecke Haus machen, aber das hier ist nur mal zur Orientierung...
Kaseys altes Auto ist ein El Camino aus den 70ern, eine seltsame Mischung aus Muscle Car und Pick-Up. Laut Eigenaussage Kaseys reicht die Motorisierung, um einige Sportwagen an der Ampel abzuhängen (nicht der schnellste, aber beschleunigt sehr gut!). Er versucht jedoch seit Jahren, das Teil loszuwerden - zwei Kabelbrände und andere altersbedingte Scherze...
Zurück zum Thema: Zusammen mit Caitlyn und Leni (einer von Caitlyn's Freundinnen) gehts zum Schießen. Zunächst müssen wir die Waffen aus dem Tresor kramen, was gar nicht so einfach ist, weil uns ca. ein halbes Dutzend Schrotflinten den Weg verstellt. Danach müssen Transportkoffer vom Dachboden geholt werden, Munition aus der Garage geholt werden (die lagert da in einem extra Safe - auch bei den Amis gilt Vorsicht im Umgang mit Waffen!) und das ganze Schrabeutz in die Autos geladen werden. Wir nehmen zwei Gewehre (ein AR-15 mit gigantischer Zieloptik sowie ein M1A aus den 50ern) sowie eine ganze Ecke Pistolen mit. Lass mal schauen, ob ich die alle zusammenkriege - eine kompakte Glock .40 S&W, eine Beretta 92 9mm, eine SIG 9mm, ein .45 Colt, ein .38 Revolver sowie ein .357 Revolver, und schlussendlich eine Desert Eagle .44.
Schwerstens bewaffnet gehts ab zur Schießanlage, etwa eine Stunde entfernt. Ich frage Kasey, ob ich mein Handy (samt Musikbestückung) an die Stereoanlage in seinem Golf hängen darf. Dann sorge ich dafür, dass er seine Zusage bereut. :)
Nach einigem hin und her landen wir dann bei der Anlage. Wir kriegen alle ein Schriebs, das wir unterschreiben müssen - etwa zwei dutzend Regeln, die wichtigsten Vorschriften für Sicherheit auf der Schießbahn. Sinnvolle Maßnahme, meiner Meinung nach. Dann noch Gehörschutz auf und ab gehts. Wir warten, bis die Lautsprecher "One Minute Warning!" blechern. Das bedeutet, die Schützen sollten langsam mit ihrem momentanen Durchgang fertig werden. Dann kommt "Cease fire!", Feuer einstellen. Alle entladen ihre Waffen und treten hinter eine rote Linie, die vor den eigentlichen Schießständen aufgemalt ist. Jetzt darf keiner mehr eine Waffe in der Hand haben. Dann kommt die Freigabe, Ziele zu kontrollieren...wir trapsen in die Anlage und stellen unsere Zielscheiben auf. Nachdem alle wieder hinter der roten Linie sind, kommt Kommando "Commence firing!" - feuer frei. Wir treten an die Schießstände, laden unsere Waffen. Jetzt darf für etwa 20 Minuten geschossen werden.
Von hinten nach vorne: Kasey (mit der Desert Eagle), Caitlyn (mit der Beretta 92) und Salina (mit ihrem .38, nicht im Bild...)
Die rote Linie und einige Patronenhülsen. Wir fegen brav nach jedem Durchgang die Hülsen weg und deponieren diese in einem bereitgestellten Plastikeimer.
Unsere Ziele, auf etwa 7 Meter Entfernung. (Die roten sind unsere, das schwarze Ziel gehört einem älteren Gentleman, der neben uns schießt.)
Ich stelle mich etwas ungeschickt mit der Beretta an, aber einer der Ausbilder kommt lächelnd zu mir und gibt mir ein paar Tips. Nicht festkrallen, locker in der Hand liegen lassen. Damit gehts etwas besser, aber Meisterschütze bin ich jetzt trotzdem noch nicht. :P
Auf Kaseys Drängen versuche ich mich an der Desert Eagle. Klobig und schwer, und ich treffe kaum den Zielaufsteller, vom Ziel ganz zu schweigen. :) Als ich erneut schießen will, fällt das Magazin raus...gegen die Magazinfreigabe gekommen, die ungeschickt weit herausragt. Ich lade das Magazin, aber anscheinend drücke ich es zu weit herein, denn die Waffe klemmt. Kasey behebt die Ladehemmung, während die Mädels und ich die Desert Eagle miesreden. Keine andere Waffe macht soviel Probleme wie dieses Miststück, aber Kasey verteidigt sie hartnäckig. Ihr wisst einfach nicht, wie man damit richtig umgeht! meint er. Wir folgern, dass wir das nicht wissen wollen.
Das hier passiert übrigens, wenn man die Desert Eagle beim Schießen nicht genau richtig hält...
(Das war Salina, nicht ich...) Genau, die Hülse bleibt beim Auswerfen hängen. Wenn mans weniger falsch macht, fliegt sie einem bloß ins Gesicht. Wie gesagt, nicht gerade mein Ideal einer gut funktionierenden Waffe...
Mit dem .357 Revolver habe ich ne Ecke mehr Glück - der Rückstoß ist akzeptable, die Waffe ist präzise, keine Funktionsstörungen irgendeiner Art. Hier ist mein Ergebnis...gar nicht mal so schlecht für die ersten 12 Schuss überhaupt aus einem großkalibrigen Jagdrevolver.
Kasey muss uns natürlich allen sofort zeigen, wie man das "richtig" macht...
Hier seht ihr die ganze Anlage vor uns. Geht etwa 400 Meter, meiner Schätzung nach...
Wir ziehen zur anderen Seite um und bauen unsere Gewehre auf. Jetzt sollen Löcher auf 150 Meter gestanzt werden...und zwar mit diesem Prachtstück:
AR-15 mit schwerem Lauf und 6x Zieloptik - schwer wie Hölle, aber sehr angenehm zu schießen. Hier fühle ich mich etwas wohler und bringe auch ein paar ganz akzpetable Ergebnisse auf die Zielscheibe, obwohl wir uns alle einig sind, dass die Optik nicht ganz eingenullt ist - die Waffe zieht nach oben.
So sieht die Munition für das Gewehr aus...
...und so der Robert beim Zielen.
Ergebnis? Etwa 200 Schuss der verschiedensten Kaliber verballert, dreckige Hände und der wohlige Anfang eines Muskelkaters in den Armen...aber Spaß machts, der Schießsport... :)
Dienstag, 15. Januar 2008
Zu schnell durch LA
(Letzter Nachholpost, lest auch "Der Crash", der sich um den 13. dreht.)
14. Januar: Ich wache auf wie erschlagen. Körperpflege, anziehen, Rick kommt ins Zimmer. Während Kasey duscht, unterhalten wir uns über Waffen. (Ich kann mir schon vorstellen, wie Mutti jetzt zusammenzuckt!) Ich fühle mich besser und etwas mehr in meinem Element, also steige ich darauf ein. Rick meint, dass Kalifornien mit die schärfsten Waffengesetze in den USA hätte, aber im Vergleich zu Deutschland ist das fast lachhaft. Er sagt mir, dass er einen neuen Revolver bestellt hat - kurzer Lauf, großes Kaliber, Titankonstruktion. Zum Wandern, sagt er. In den Bergen gibts Bären. Er erzählt mir kurz von einem Bekannten, den er mit einem Lächeln als "verrückt" bezeichnet - dieser hat sich ein neues Gewehr gekauft, ein Barrett M82. Kaliber 5o, Anti-Material-Gewehr - damit schießt die US Army im Irak auf einen Kilometer Entfernung Geländefahrzeuge kaputt. Rick lächelt und sagt, dass dieses Kaliber in Kalifornien so gut wie vollkommen verboten ist. Ob er auch so ein Gewehr will? Nein, viel zu unpraktisch und schwer, außerdem ist die Munition verdammt teuer. Aber hier gehts um Prinzip!
Kasey und ich fahren erstmal Frühstücken, diesmal in ein Drive-In - Carl Jr's. Ich bestelle mir eine kleine Portion frittierte Hühnerbruststücken, Kasey steigt voll ein mit doppeltem Cheeseburger und Fritten. Ich stelle fest, dass die "kleine" Portion vollkommen ausreicht. Auf dem Highway nach LA teste ich die Kamera: Ich kann sie kaum genug loben. Unter den fiesesten Bedingungen kommen scharfe Bilder heraus. Kasey meint, dass die Bildstabilisation in der letzten Generation wirklich gut geworden ist. Über die lauter werdenden Schallwellen von K-ROQ (Kaseys Lieblingssender) stimme ich zu und knipse weiter.
Unser erstes Ziel ist der "Toy District", ein Teil von "Little Tokyo". (Als ich Kasey sage, dass ich bei dem Namen an die alte Trickfilmserie "Samurai Pizza Cats" denken muss, lacht er.) Wir stellen den Golf in einem Parkhaus ab und gehen zu Fuß weiter; Kasey sieht mich freizügig rumknipsen und rät mir, etwas vorsichtiger zu sein. Der "Toy District" ist, gelinde gesagt, nicht die beste Ecke von LA. Obdachlose und Straßenverkäufer geben sich die Klinke in die Hand. Vollgepackte Geschäfte mit Waren dubioser Herkunft ziehen sich durch das Viertel wie die Löcher in einem schweizer Käse. Ich fühle mich zwar nicht unsicher, aber ich halte die Hände in den Taschen und hänge an Kasey wie eine Klette.
Einige Straßen weiter betreten wir die U-Bahn. LA hat einige U-Bahn-Linien, aber nicht wirklich genug. Der Boden ist zu weich...und die Stadt viel zu groß. Die Bahnhöfe sehen alle gleich aus, hohe Decken aus Spritzbeton, alles modern eingerichtet. Kasey nennt mir einen dritten Grund, warum es nur wenige U-Bahn-Linien gibt: Man findet kaum Grundstücke, um die Stationen zu bauen.
Wir fahren nach Hollywood. Keine wirkliche Tour, mehr kurz gestreift. Ich mache Fotos von Graumann's Chinese Theater und finde endlich eine Wechselstelle für meine Euros, nachdem ich mich durch eine Horde japanischer Touristen gekämpft habe. Zurück mit der U-Bahn, ab nach Little Tokyo, Snacks einwerfen. Wir essen Eiskrem mit Reisteigmantel (lecker!), dann holen wir den Golf und zischen los, Richtung Griffith Park. Innerstädtischer Park, größer als Central Park in New York. Wir wollen zum Observatorium, das ist aber leider wegen ner veranstaltung abgesperrt. Wir rasen an den genialsten Aussichten vorbei, aber es gibt keinen Ort, wo wir für Fotos anhalten können.
Weiter nach Mulholland Drive. Eine Bergstraße voller Promivillen. Wir finden endlich einen Haltepunkt und sehen San Bernadino Valley, die andere "Hälfte" von LA. Nochmal vier Millionen Menschen. Die Aussicht raubt mir den Atem. (Hab ich schon erwähnt, dass meine Füße zu diesem Zeitpunkt lautstark protestieren? Das war eher weniger schön...)
Nach einigem weiteren Touren bei überhöhter Geschwindigkeit (O-Ton Kasey: Ein ordentlicher Sportwagen nimmt jede Kurve locker beim doppelten des ausgewiesenen Tempolimits...) meldet sich mein Magen. Wir fahren runter nach Santa Monica, genießen kurz den Sonnenuntergang am Strand. Mulholland Drive zurück, noch mehr Fotos, diesmal von LA bei Nacht. Dann ab zu Phillippe's.
Der Laden ist ein Phänomen. Fast 100 Jahre alt (in LA ist das Steinzeit!), und sieht immer noch genau so aus wie in den 60ern. Es gibt Sandwiches, getunkt in fette Bratensoße, mit scharfem Senf. Ich schaffe gerade mal eins, Kasey verputzt gleich drei. Lecker, lecker, lecker! (Wirklich, die todesmutige Verachtung von jedem Prinzip gesunder Ernährung führt uns zu sehr wohlschmeckenden Mahlzeiten. Im Hinblick auf die Versorgungslage als Wohnheimstudent genieße ich die Woche!)
Dann zurück nach Hause, endlich. Mein Kopf schwirrt vor der Bilderflut. Wir treffen Caitlyn zuhause, hocken im Wohnzimmer, während die auf einer der drei XBox 360 in Haus das Spiel "Mass Effect" zockt. Kasey und ich unterstützen sie mit Rumgegröhle, Hohn und schließlich hart verdienter Anerkennung!
Und ab ins Bett. Schnarch...
---
Fotos von diesem Tag findet ihr hinter diesem Link: Hier.
Sind leider in der verkehrten Reihenfolge (also von vorne nach hinter falschrum), aber da arbeite ich noch dran...
14. Januar: Ich wache auf wie erschlagen. Körperpflege, anziehen, Rick kommt ins Zimmer. Während Kasey duscht, unterhalten wir uns über Waffen. (Ich kann mir schon vorstellen, wie Mutti jetzt zusammenzuckt!) Ich fühle mich besser und etwas mehr in meinem Element, also steige ich darauf ein. Rick meint, dass Kalifornien mit die schärfsten Waffengesetze in den USA hätte, aber im Vergleich zu Deutschland ist das fast lachhaft. Er sagt mir, dass er einen neuen Revolver bestellt hat - kurzer Lauf, großes Kaliber, Titankonstruktion. Zum Wandern, sagt er. In den Bergen gibts Bären. Er erzählt mir kurz von einem Bekannten, den er mit einem Lächeln als "verrückt" bezeichnet - dieser hat sich ein neues Gewehr gekauft, ein Barrett M82. Kaliber 5o, Anti-Material-Gewehr - damit schießt die US Army im Irak auf einen Kilometer Entfernung Geländefahrzeuge kaputt. Rick lächelt und sagt, dass dieses Kaliber in Kalifornien so gut wie vollkommen verboten ist. Ob er auch so ein Gewehr will? Nein, viel zu unpraktisch und schwer, außerdem ist die Munition verdammt teuer. Aber hier gehts um Prinzip!
Kasey und ich fahren erstmal Frühstücken, diesmal in ein Drive-In - Carl Jr's. Ich bestelle mir eine kleine Portion frittierte Hühnerbruststücken, Kasey steigt voll ein mit doppeltem Cheeseburger und Fritten. Ich stelle fest, dass die "kleine" Portion vollkommen ausreicht. Auf dem Highway nach LA teste ich die Kamera: Ich kann sie kaum genug loben. Unter den fiesesten Bedingungen kommen scharfe Bilder heraus. Kasey meint, dass die Bildstabilisation in der letzten Generation wirklich gut geworden ist. Über die lauter werdenden Schallwellen von K-ROQ (Kaseys Lieblingssender) stimme ich zu und knipse weiter.
Unser erstes Ziel ist der "Toy District", ein Teil von "Little Tokyo". (Als ich Kasey sage, dass ich bei dem Namen an die alte Trickfilmserie "Samurai Pizza Cats" denken muss, lacht er.) Wir stellen den Golf in einem Parkhaus ab und gehen zu Fuß weiter; Kasey sieht mich freizügig rumknipsen und rät mir, etwas vorsichtiger zu sein. Der "Toy District" ist, gelinde gesagt, nicht die beste Ecke von LA. Obdachlose und Straßenverkäufer geben sich die Klinke in die Hand. Vollgepackte Geschäfte mit Waren dubioser Herkunft ziehen sich durch das Viertel wie die Löcher in einem schweizer Käse. Ich fühle mich zwar nicht unsicher, aber ich halte die Hände in den Taschen und hänge an Kasey wie eine Klette.
Einige Straßen weiter betreten wir die U-Bahn. LA hat einige U-Bahn-Linien, aber nicht wirklich genug. Der Boden ist zu weich...und die Stadt viel zu groß. Die Bahnhöfe sehen alle gleich aus, hohe Decken aus Spritzbeton, alles modern eingerichtet. Kasey nennt mir einen dritten Grund, warum es nur wenige U-Bahn-Linien gibt: Man findet kaum Grundstücke, um die Stationen zu bauen.
Wir fahren nach Hollywood. Keine wirkliche Tour, mehr kurz gestreift. Ich mache Fotos von Graumann's Chinese Theater und finde endlich eine Wechselstelle für meine Euros, nachdem ich mich durch eine Horde japanischer Touristen gekämpft habe. Zurück mit der U-Bahn, ab nach Little Tokyo, Snacks einwerfen. Wir essen Eiskrem mit Reisteigmantel (lecker!), dann holen wir den Golf und zischen los, Richtung Griffith Park. Innerstädtischer Park, größer als Central Park in New York. Wir wollen zum Observatorium, das ist aber leider wegen ner veranstaltung abgesperrt. Wir rasen an den genialsten Aussichten vorbei, aber es gibt keinen Ort, wo wir für Fotos anhalten können.
Weiter nach Mulholland Drive. Eine Bergstraße voller Promivillen. Wir finden endlich einen Haltepunkt und sehen San Bernadino Valley, die andere "Hälfte" von LA. Nochmal vier Millionen Menschen. Die Aussicht raubt mir den Atem. (Hab ich schon erwähnt, dass meine Füße zu diesem Zeitpunkt lautstark protestieren? Das war eher weniger schön...)
Nach einigem weiteren Touren bei überhöhter Geschwindigkeit (O-Ton Kasey: Ein ordentlicher Sportwagen nimmt jede Kurve locker beim doppelten des ausgewiesenen Tempolimits...) meldet sich mein Magen. Wir fahren runter nach Santa Monica, genießen kurz den Sonnenuntergang am Strand. Mulholland Drive zurück, noch mehr Fotos, diesmal von LA bei Nacht. Dann ab zu Phillippe's.
Der Laden ist ein Phänomen. Fast 100 Jahre alt (in LA ist das Steinzeit!), und sieht immer noch genau so aus wie in den 60ern. Es gibt Sandwiches, getunkt in fette Bratensoße, mit scharfem Senf. Ich schaffe gerade mal eins, Kasey verputzt gleich drei. Lecker, lecker, lecker! (Wirklich, die todesmutige Verachtung von jedem Prinzip gesunder Ernährung führt uns zu sehr wohlschmeckenden Mahlzeiten. Im Hinblick auf die Versorgungslage als Wohnheimstudent genieße ich die Woche!)
Dann zurück nach Hause, endlich. Mein Kopf schwirrt vor der Bilderflut. Wir treffen Caitlyn zuhause, hocken im Wohnzimmer, während die auf einer der drei XBox 360 in Haus das Spiel "Mass Effect" zockt. Kasey und ich unterstützen sie mit Rumgegröhle, Hohn und schließlich hart verdienter Anerkennung!
Und ab ins Bett. Schnarch...
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Fotos von diesem Tag findet ihr hinter diesem Link: Hier.
Sind leider in der verkehrten Reihenfolge (also von vorne nach hinter falschrum), aber da arbeite ich noch dran...
Der Crash
13. Januar: Nach unruhiger Nachtruhe und Körperpflege gehts ab zum Frühstück: Ruby's, ein kleines Bistro im Stil der 50er Jahre auf einem Pier am Strand von Huntington Beach. Ich bestelle ein "Awesome Egg Sandwich" - und hier wird awesome im alttestamentarischen Sinne gemeint, nämlich "ehrfurchteinflößend". Von mir liegt nun ein Sandwich von der Form und Größe, die entfernt an einen Brotlaib erinnern. Belegt ist das Ganze mit Spiegeleiern, viel Spiegeleiern, unerhört viel Spiegeleiern. Dazu gibts Bratkartoffeln, die durch einen unerwartet hohen Gemüsegehalt und eine gewisse Blässe auffallen. Ich schaffe gerade mal die Hälfte, und auch das nur unter Zuhilfenahme eines großen Glases Wasser.
Danach Einkaufen. Kasey meint, ich bräuchte unbedingt Slipper der Marke "Vans" - meine Wanderstiefel sind für das Klima eher ungeeignet. Nach einem Abstecher zum passenden Spezialgeschäft erblicke ich eine Mauer von Slippern in den unmöglichsten Mustern und Farben - und das sind alles nur die Ausstellungsmodelle, die eigentlichen Schuhkartons finden hier gar keinen Platz mehr. Ich entscheide mich für ein Paar hellblaue Slipper, amerikanische Größe 11 1/2 (Nebenbemerkung: Warum gibt es keinen ISO-Standard für Schuhgrößen?). Während ich die Schuhe teste, tastet Kasey ungeduldig auf seinem Apple iPhone herum. Er sucht schon nach einer passenden Digitalkamera für mich, die Webseiten der großen Elektronikfachverkaufshäuser stellen sich aber auf Stur. Ich bezahle die Slipper und stelle fest, dass die Preise hier ohne Verkaufssteuer ausgewiesen sind - da werden aus meinen wunderschön glatten 40 Dollar ganz schnell 43,50. Nebeneffekt: Ich habe jetzt Kleingeld!
Ab nach Hause, Internet checken. Ich treffe Kaseys Schwester Caitlyn und nehme die Gelegenheit wahr, meine Schatztruhe an Schokolade zu öffnen. Ich salbe mich etwas in der allgemeinen Dankbarkeit und laufe ein paar Schritte in den Schuhen. Caitlyn fragt, ob sie mir passen: ich gebe zu bedenken, dass das hintere Ende an meiner Ferse scheuert. Sie lacht. Das ist immer so mit Vans - erstmal ein paar Tage einlaufen (und Hornhaut entwickeln!).
Kurzer Zwischenstop bei einer Bank, um meine restlichen Euros zu wechseln. Erst jetzt merke ich wirklich, dass es eigentlich Sonntag ist, da die Bank geschlossen ist.
Wir fahren zu Fry's, da Kasey meint, nach eingehender Recherche dort ein gutes Angebot entdeckt zu haben. Er schärft mir ein, mich nicht mit den Verkäufern einzulassen. Der Laden selber erinnert mich eher an einen Baumarkt als so etwas wie Saturn - hohe Decke, hohe Regalreihen. Ich entdecke etwa 36 (!) Kassen an einem gigantischen Tresen. Die Innendeko erinnert an einen griechischen Tempel. Kasey klärt mich auf, dass alle Fry's-Fillialen ein "Thema" hätten. Er schleift mich zum Regal für Kameras, zielsicher wie ein Bluthund. Ich greife fast reflexartig nach einer Canon SD1000, er merkt sich die Typenbezeichnung und wir hauen ab. Wo gibts die Ware? Verkäufer anreden. Die vorherige Warnung klingelt mir noch in den Ohren...
In einem Blitzgewitter von schnellen Worten reden Kasey und der Verkäufer miteinander. Ich verstehe angesichts des Lautstärkepegels und meiner zunehmenden Müdigkeit nur wenig. Es gibt wohl keine ungeöffnete Kamera dieses Typs mehr, aber eine geöffnete Variante, preisreduziert. Wir öffnen den Karton, sieht alles gut aus, Kamera springt an. Der Verkäufer bietet uns eine Speicherkarte zusätzlich an, stark reduziert. Wie im Taumel wird zugegriffen, und dann stehen wir an der Kasse mit einem Schriebs, der den Deal zusammenfasst. Nach nichtmal zehn Minuten in dem Laden bin ich um 200 Dollar leichter.
(Nachtrag: Die Kamera war es aber wert. 1a Qualität.)
Wir schlagen bei Kasey auf, hauen das Akkuladegerät der Kamera in eine mühsam erkämpfte freie Steckdose. Er fragt mich, was ich denn zum Mittag essen will. Ich kann nur noch "Schlaf" antworten, weil mir die Erschöpfung auf einmal durch den ganzen Körper zuckt. Er lächelt. Das ist der "Crash", das ultimative Resultat von Jetlag. Es ist 4 Uhr Nachmittags und ich hau mich ins Bett, will von Kalifornien bis auf weiteres nix mehr wissen.
Gegen Mitternacht wache ich wieder auf, gehe ins Wohnzimmer. Kasey guckt noch Fernsehen - auf einem Flatpanel-HDTV mit grob geschätzen 1 Meter 50 Bilddiagonale, nämlich eine Dokumentation über deutsche Autobahnen. Er sagt, jetzt wäre Taco-Zeit - andere Restaurants hätten nicht mehr auf. Ich winke ab, das Sandwich vom Frühstück verdaue ich immer noch.
Und dann wieder ins Bett, mein Schlafzyklus ist jetzt endgültig ruiniert. Morgen gehts nach LA...
Danach Einkaufen. Kasey meint, ich bräuchte unbedingt Slipper der Marke "Vans" - meine Wanderstiefel sind für das Klima eher ungeeignet. Nach einem Abstecher zum passenden Spezialgeschäft erblicke ich eine Mauer von Slippern in den unmöglichsten Mustern und Farben - und das sind alles nur die Ausstellungsmodelle, die eigentlichen Schuhkartons finden hier gar keinen Platz mehr. Ich entscheide mich für ein Paar hellblaue Slipper, amerikanische Größe 11 1/2 (Nebenbemerkung: Warum gibt es keinen ISO-Standard für Schuhgrößen?). Während ich die Schuhe teste, tastet Kasey ungeduldig auf seinem Apple iPhone herum. Er sucht schon nach einer passenden Digitalkamera für mich, die Webseiten der großen Elektronikfachverkaufshäuser stellen sich aber auf Stur. Ich bezahle die Slipper und stelle fest, dass die Preise hier ohne Verkaufssteuer ausgewiesen sind - da werden aus meinen wunderschön glatten 40 Dollar ganz schnell 43,50. Nebeneffekt: Ich habe jetzt Kleingeld!
Ab nach Hause, Internet checken. Ich treffe Kaseys Schwester Caitlyn und nehme die Gelegenheit wahr, meine Schatztruhe an Schokolade zu öffnen. Ich salbe mich etwas in der allgemeinen Dankbarkeit und laufe ein paar Schritte in den Schuhen. Caitlyn fragt, ob sie mir passen: ich gebe zu bedenken, dass das hintere Ende an meiner Ferse scheuert. Sie lacht. Das ist immer so mit Vans - erstmal ein paar Tage einlaufen (und Hornhaut entwickeln!).
Kurzer Zwischenstop bei einer Bank, um meine restlichen Euros zu wechseln. Erst jetzt merke ich wirklich, dass es eigentlich Sonntag ist, da die Bank geschlossen ist.
Wir fahren zu Fry's, da Kasey meint, nach eingehender Recherche dort ein gutes Angebot entdeckt zu haben. Er schärft mir ein, mich nicht mit den Verkäufern einzulassen. Der Laden selber erinnert mich eher an einen Baumarkt als so etwas wie Saturn - hohe Decke, hohe Regalreihen. Ich entdecke etwa 36 (!) Kassen an einem gigantischen Tresen. Die Innendeko erinnert an einen griechischen Tempel. Kasey klärt mich auf, dass alle Fry's-Fillialen ein "Thema" hätten. Er schleift mich zum Regal für Kameras, zielsicher wie ein Bluthund. Ich greife fast reflexartig nach einer Canon SD1000, er merkt sich die Typenbezeichnung und wir hauen ab. Wo gibts die Ware? Verkäufer anreden. Die vorherige Warnung klingelt mir noch in den Ohren...
In einem Blitzgewitter von schnellen Worten reden Kasey und der Verkäufer miteinander. Ich verstehe angesichts des Lautstärkepegels und meiner zunehmenden Müdigkeit nur wenig. Es gibt wohl keine ungeöffnete Kamera dieses Typs mehr, aber eine geöffnete Variante, preisreduziert. Wir öffnen den Karton, sieht alles gut aus, Kamera springt an. Der Verkäufer bietet uns eine Speicherkarte zusätzlich an, stark reduziert. Wie im Taumel wird zugegriffen, und dann stehen wir an der Kasse mit einem Schriebs, der den Deal zusammenfasst. Nach nichtmal zehn Minuten in dem Laden bin ich um 200 Dollar leichter.
(Nachtrag: Die Kamera war es aber wert. 1a Qualität.)
Wir schlagen bei Kasey auf, hauen das Akkuladegerät der Kamera in eine mühsam erkämpfte freie Steckdose. Er fragt mich, was ich denn zum Mittag essen will. Ich kann nur noch "Schlaf" antworten, weil mir die Erschöpfung auf einmal durch den ganzen Körper zuckt. Er lächelt. Das ist der "Crash", das ultimative Resultat von Jetlag. Es ist 4 Uhr Nachmittags und ich hau mich ins Bett, will von Kalifornien bis auf weiteres nix mehr wissen.
Gegen Mitternacht wache ich wieder auf, gehe ins Wohnzimmer. Kasey guckt noch Fernsehen - auf einem Flatpanel-HDTV mit grob geschätzen 1 Meter 50 Bilddiagonale, nämlich eine Dokumentation über deutsche Autobahnen. Er sagt, jetzt wäre Taco-Zeit - andere Restaurants hätten nicht mehr auf. Ich winke ab, das Sandwich vom Frühstück verdaue ich immer noch.
Und dann wieder ins Bett, mein Schlafzyklus ist jetzt endgültig ruiniert. Morgen gehts nach LA...
Montag, 14. Januar 2008
Schlafwandeln unter Schlaflosen
Wo fange ich an? Am besten vorne...
Der erste Flug bringt mich von Berlin nach Frankfurt, einmal kurz über Deutschland gehopst, schmerzlos und unkompliziert. Wie geht das mit Anschlussflügen?, das fragte ich die Dame beim Check-In. Einfach im Sicherheitsbereich bleiben, Gepäck geht von selber weiter...naja, wenn das mal so funktioniert.
12 Stunden Transatlantikflug. Kein Schlaf. Kinners, ich sags euch: das ist weniger lustig. Aber visuell beindruckend: erstmal ab nach Norden, das Tageslicht läuft uns weg, Dunkelheit über Island. Dann ab nach Westen, wir überholen die Sonne und über Grönland ist es auf einmal wieder tageshell! Ich schaue aus dem Fenster, nur weiß unter mir. So sehen doch keine Wolken aus!, denke ich, dann schaue ich nochmal hin: Eis. Alles Eis und Schnee, soweit das Auge sieht. Wieso bemerke ich jetzt erst, dass die Klimaanlage im Flugzeug unangenehm stark ist?
Dann schließlich Anflug an LAX, und ich kriege meine erste Dosis Amerika auf kurze Entfernung: ein Meer von Licht unter uns. Meine Schädeldecke vibriert, meine Augen kleben an der Scheibe. Hinter mir tönt ein Boah, ey!, dem ich mich ohne Vorbehalte anschließe.
LA bei Nacht. Boah, ey.
Kurzer Durchmarsch beim Zoll: Was wollen se, wie lange wollen se, hauen sie dann wieder ab? Ja, sicher, alles wie sie sagen, Herr Oberforstrat. Ich setze mein Touristenlächeln auf und senke meinen gefühlten IQ um grobe 30 Punkte. Stempel, Stempel, Unterschrift, Unterschrift, und ich bin durch! Ab ans Gepäckband. Schrecksekunde: was ist, wenn der Koffer immer noch in Frankfurt ist? So richtig hatte ich dem Frieden nicht getraut, aber dann taucht mein schwarzer Lebensbegleiter auf. In meinem Magen rumort vegetarische Flugzeuglasagne. Ich brauche Input, Nährstoffe, Treibstoff. Am Terminal wartet mein Freund Kasey auf mich. Nach kurzer Begrüßung verschwindet er, um sein Auto zu holen, während ich warte. Soll ich meine Euro-Scheine hier noch wechseln? Bevor ich das Handy zum Nachrechnen rauskramen kann, kommt Kasey wieder rein: Er gibt mir zu verstehen, dass sein jetziger Parkplatz stark knöllchengefährdet ist. Wir machen uns auf, ich hiefe mein 26 Kilo schweres mobiles Leben in den Kofferraum seines cremeweißen Golf GTI (erst ein paar Wochen alt!) und wir düsen in die Nacht. In seinem CD-Wechsler befinden sich sechs Scheiben, fünf davon mit Queens of the Stone Age bestückt. Ich lehne dankend ab, wir hören Radio.
Ob ich Hunger habe? Oh ja.
Wir fahren zu In'n'Out, einer der Unmengen an Fastfood-Ketten hier. Hier gehts nur um Burger: ich bestelle auf Kaseys Rat hin einen Double-Double (zweimal Fleisch, zweimal Käse), er zieht sich einen Triple-Triple rein (das könnt ihr sicher erraten...). Ich muss ihn ernsthaft fragen, ob eine braune Masse am Bürger essbar ist und noch zum Einpackpapier gehört. Der Bürger schmeckt großartig. Leicht verdaulich? Nur in euren Träumen, liebe Freunde. Sowas gehört als Betäubungsmittel klassifiziert.
Wir schlagen nach einigen Minuten Fahrt auf dem Freeway bei Kasey zuhause auf: Huntington Beach, eine Komponente des gigantischen Siedlungsgebiets um LA. Stadtgrenzen existieren nur auf Schildern, der Überganz zwischen Freeways und Stadtstraßen scheint eher willkürlich. Unter vier Spuren (pro Seite!) für eine Hauptstraße läuft hier nix...
Bei Kasey im Haus treffe ich Rick (Vater) und Debbie (Mutter) - beide sehr nett!, und dann kommt der nächste Angriff: Man will noch Bowlen gehen. Man bietet mir an, schon mal schlafen zu gehen. Todesverachtend lehne ich ab. Jetzt wird durchgezogen!
Ich schlage mich ganz gut beim Spielen, und das überrascht mich immens. Rick ist mit mehreren Highschool-Jugendlichen hier, die er als Jugendgruppe betreut. Ich erfahre, dass er mal semi-professional Bowling betrieben hat. Ich lasse mich nicht beirren und halte mit meiner primitiven (aber gut geübten) Technik mit, während die Kids mit mehr Enthusiasmus als Fachwissen die Kugel an den Pins vorbeischummeln. Seltsames Gefühl, mal beim Bowling zu gewinnen. Aber gegen 1 Uhr (Ortszeit) bin ich endgültig fertig. Ich signalisiere meine Aufgabe, wir spielen noch die Runde zuende, dann ab zum Haus, eine Runde tot umfallen.
Und morgen gehen wir einkaufen! sagt Kasey noch. Ich mache wohl eine Bewegung, die man als Nicken interpretieren kann, denn sprechen kann ich nicht mehr.
(mehr Nachhol-Zeug morgen...)
Der erste Flug bringt mich von Berlin nach Frankfurt, einmal kurz über Deutschland gehopst, schmerzlos und unkompliziert. Wie geht das mit Anschlussflügen?, das fragte ich die Dame beim Check-In. Einfach im Sicherheitsbereich bleiben, Gepäck geht von selber weiter...naja, wenn das mal so funktioniert.
12 Stunden Transatlantikflug. Kein Schlaf. Kinners, ich sags euch: das ist weniger lustig. Aber visuell beindruckend: erstmal ab nach Norden, das Tageslicht läuft uns weg, Dunkelheit über Island. Dann ab nach Westen, wir überholen die Sonne und über Grönland ist es auf einmal wieder tageshell! Ich schaue aus dem Fenster, nur weiß unter mir. So sehen doch keine Wolken aus!, denke ich, dann schaue ich nochmal hin: Eis. Alles Eis und Schnee, soweit das Auge sieht. Wieso bemerke ich jetzt erst, dass die Klimaanlage im Flugzeug unangenehm stark ist?
Dann schließlich Anflug an LAX, und ich kriege meine erste Dosis Amerika auf kurze Entfernung: ein Meer von Licht unter uns. Meine Schädeldecke vibriert, meine Augen kleben an der Scheibe. Hinter mir tönt ein Boah, ey!, dem ich mich ohne Vorbehalte anschließe.
LA bei Nacht. Boah, ey.
Kurzer Durchmarsch beim Zoll: Was wollen se, wie lange wollen se, hauen sie dann wieder ab? Ja, sicher, alles wie sie sagen, Herr Oberforstrat. Ich setze mein Touristenlächeln auf und senke meinen gefühlten IQ um grobe 30 Punkte. Stempel, Stempel, Unterschrift, Unterschrift, und ich bin durch! Ab ans Gepäckband. Schrecksekunde: was ist, wenn der Koffer immer noch in Frankfurt ist? So richtig hatte ich dem Frieden nicht getraut, aber dann taucht mein schwarzer Lebensbegleiter auf. In meinem Magen rumort vegetarische Flugzeuglasagne. Ich brauche Input, Nährstoffe, Treibstoff. Am Terminal wartet mein Freund Kasey auf mich. Nach kurzer Begrüßung verschwindet er, um sein Auto zu holen, während ich warte. Soll ich meine Euro-Scheine hier noch wechseln? Bevor ich das Handy zum Nachrechnen rauskramen kann, kommt Kasey wieder rein: Er gibt mir zu verstehen, dass sein jetziger Parkplatz stark knöllchengefährdet ist. Wir machen uns auf, ich hiefe mein 26 Kilo schweres mobiles Leben in den Kofferraum seines cremeweißen Golf GTI (erst ein paar Wochen alt!) und wir düsen in die Nacht. In seinem CD-Wechsler befinden sich sechs Scheiben, fünf davon mit Queens of the Stone Age bestückt. Ich lehne dankend ab, wir hören Radio.
Ob ich Hunger habe? Oh ja.
Wir fahren zu In'n'Out, einer der Unmengen an Fastfood-Ketten hier. Hier gehts nur um Burger: ich bestelle auf Kaseys Rat hin einen Double-Double (zweimal Fleisch, zweimal Käse), er zieht sich einen Triple-Triple rein (das könnt ihr sicher erraten...). Ich muss ihn ernsthaft fragen, ob eine braune Masse am Bürger essbar ist und noch zum Einpackpapier gehört. Der Bürger schmeckt großartig. Leicht verdaulich? Nur in euren Träumen, liebe Freunde. Sowas gehört als Betäubungsmittel klassifiziert.
Wir schlagen nach einigen Minuten Fahrt auf dem Freeway bei Kasey zuhause auf: Huntington Beach, eine Komponente des gigantischen Siedlungsgebiets um LA. Stadtgrenzen existieren nur auf Schildern, der Überganz zwischen Freeways und Stadtstraßen scheint eher willkürlich. Unter vier Spuren (pro Seite!) für eine Hauptstraße läuft hier nix...
Bei Kasey im Haus treffe ich Rick (Vater) und Debbie (Mutter) - beide sehr nett!, und dann kommt der nächste Angriff: Man will noch Bowlen gehen. Man bietet mir an, schon mal schlafen zu gehen. Todesverachtend lehne ich ab. Jetzt wird durchgezogen!
Ich schlage mich ganz gut beim Spielen, und das überrascht mich immens. Rick ist mit mehreren Highschool-Jugendlichen hier, die er als Jugendgruppe betreut. Ich erfahre, dass er mal semi-professional Bowling betrieben hat. Ich lasse mich nicht beirren und halte mit meiner primitiven (aber gut geübten) Technik mit, während die Kids mit mehr Enthusiasmus als Fachwissen die Kugel an den Pins vorbeischummeln. Seltsames Gefühl, mal beim Bowling zu gewinnen. Aber gegen 1 Uhr (Ortszeit) bin ich endgültig fertig. Ich signalisiere meine Aufgabe, wir spielen noch die Runde zuende, dann ab zum Haus, eine Runde tot umfallen.
Und morgen gehen wir einkaufen! sagt Kasey noch. Ich mache wohl eine Bewegung, die man als Nicken interpretieren kann, denn sprechen kann ich nicht mehr.
(mehr Nachhol-Zeug morgen...)
Freitag, 11. Januar 2008
Das dumpfe Gefühl in der Magengegend
Morgen gehts los.
Morgen fliege ich nach Kalifornien.
Was Menschenhand vermag, ist getan - Reise, Unterkunft, Studienplatz, alles im Kasten. Der Koffer ist gepackt. Eine gewisse Unsicherheit bleibt immer übrig. Was wäre, wenn und falls, all das Gedöhns schwirrt mir durch den Schädel. Mit Schlaf rechne ich heute nicht mehr.
Aber ihr kennt mich. Das wird schon.
Morgen fliege ich nach Kalifornien.
Was Menschenhand vermag, ist getan - Reise, Unterkunft, Studienplatz, alles im Kasten. Der Koffer ist gepackt. Eine gewisse Unsicherheit bleibt immer übrig. Was wäre, wenn und falls, all das Gedöhns schwirrt mir durch den Schädel. Mit Schlaf rechne ich heute nicht mehr.
Aber ihr kennt mich. Das wird schon.
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