Samstag, 8. März 2008

Autobahn in die Gefahrenzone

Ich gebs ja zu, ich bin faul. Die Personifikation der Faulheit, der Avatar des kosmischen Konzeptes der Faulheit. Sollte ich jemals mit Arbeit in Berührung kommen, wird die daraus resultierende Explosion genügend Staub in den Himmel schleudern, um eine neue Eiszeit auszulösen.

Oder habt ihr ne bessere Erklärung dafür, dass es zwei Wochen gedauert hat, bis ich euch von meinem Ausflug zur USS Midway erzähle?

Reden wir mal kurz über Flugzeugträger. Das Konzept eines spezialisieren Trägers stammt aus dem 2. WK, und da kommt die Midway auch her - nicht mehr rechtzeitig für "den Kriech!", aber über solche Feinheiten sehen wir wohlwollend hinweg. Was die kleine Schaluppe aber danach zu Stande brachte, darüber darf man sich freuen: Korea, Vietnam, Desert Storm - 50 Jahre lang hat die Midway schwimmende Raststätte für die Ritter der Lüfte gespielt. Seit vier Jahren ist sie nun Museumsschiff im Hafen von San Diego.

Wer musste da hin? Kleiner Tipp: Der Typ, der das hier schribselt.

Wie groß so ein Dampfer in schnittigem Blaugrau doch sein kann! Das bewegt sich in Richtung Kreuzfahrtschiff, von der Klasse her, aber wenige Minuten nach Betreten des Selbigen wird mir klar, dass die Animation hier an Bord wohl eher von minderer Bedeutung gewesen sein muss. Da baut sich fast sofort ein riesiger Kontrast auf: Der Hangar unter dem Flugdeck ist riesig, massivst sozusagen, und das ist ohne Zweifel der größte zusammenhängende Raum, den ich je an Bord eines Schiffes gesehen habe. Aber die Tour führt uns zu den unteren Decks, und jetzt kommen wir zum Schwarz gegen das Hangar-Weiß.

Macht mal bitte folgendes Experiment: Sucht euch den nächsten Türrahmen und stellt euch hinein. Schaut euch um - zu den Seiten und nach oben ist doch noch mächtig Luft, oder? (Falls nicht, empfehle ich Slim Fast.) Nun denkt euch mal in die US Navy hinein - aber nicht zu tief, dass gibt Kopfschmerzen - und stellt euch vor, dass ihr so viel wie möglich in ein begrenztes Volumen reinpacken wollt. Wie sieht euer Türrahmen jetzt aus?

Okay, ich gebe zu, ganz so eng wie in der U995 beim Marine-Denkmal Laboe ist es nicht. (Ich weiß, der Vergleich ist für meine Leserschaft unglaublich hilfreich...) Aber es ist sehr eng. In den Mannschaftsquartieren wären Doppelstockbetten Luxus - hier stapelten sich die flotten Kerle zu dritt. (Aber erst nach Dienstschluss...) Und überall, wo Leute nicht ständig rumstehen müssen, ist Ducken angesagt - Kabelschächte, Rohre, Kabel ohne Schächte, Schächte ohne Kabel (aber mit Rohren), alles das versaut dem Seemann sein morgentliches Aerobic-Programm gewaltig. Von den Duschen wollen wir hier gar nicht erst reden.

Bei den Offzen werden die Quartiere etwas gemütlicher, hier kann man langsam Ellenbogen abspreizen und bei der Bettenbelegung munter "oben" oder "unten" angeben, ohne sich über solche Horrorszenarien wie den Mittelschlaf sorgen zu müssen. Richtig geil wirds allerdings nur für den Käptn und seinen Ersten Offizier, denn die haben jeweils ein kleines Apartment - etwa die Größe von dem, was man in Deutschland als ordentliches Wohnzimmer definieren würde. Die Sanitäranlagen sind allesamt Teufelswerk, aber wer hier unten nicht kirre wird, kommt damit auch zurecht...

Anschließend noch weiter nach unten. Kurzer Stopp in der Brig, dann in den Maschinenraum, heiligs Blechle, der Maschinenraum! In froh bebilderten Tafeln schildert man uns das Leben der Inschenörs-Jehilven (so würden sie heißen, wenn sie Sachsen wären...), wie sie durch die Boiler krabbeln und den Ruß von innen abkratzen. Solche Zähigkeit muss man respektieren, aber mir fehlt ein gewisses Grundverständnis für die dazugehörige Dämlichkeit, sich auf sowas überhaupt einzulassen...da lob ich mir doch meine Deutsche Luftwaffe, da kriegen wir beim dreckig werden wenigstens keine Klaustrophobie.

Wart ihr schonmal in der Wäscherei von nem Kriegsschiff? Das ist - um mich eines Anglizismusses zu bemächtigen - hardcore. Dass sind keine Trommelschleudern von AEG, sondern Waschmaschinen, als wären sie von Onkel Sam höchstpersönlich aus einem massiven Block Stahl geschnitzt wurden. Wenn ich da meine Unterwäsche reinwerfen würde, dann wären auch meine schwarzen Slips am Ende weiß, wenn ihr versteht, was ich meine - das ist wie Landstraßen fahren mit nem Panzer, der absolute Overkill. Ach, und ne Werkstatt haben sie auch. Zum Teile basteln. Das ist, glaube ich, das absolut erste Mal, dass ich eine Drehbank an Bord eines Schiffes gesehen habe. Und natürlich eine Krankenstation mit Medikamentenausgabe, OP, Intensivstation und Röntgenapparat. Irgendwo müssen sich die Jungs nach Landgang ja wieder erholen könne.

Dann ab in die Kanne(n), denn es gibt - meiner Zählung nach - vier verschiedene Essenssäale (oder Essensäale? Das weiß nur der Herr Mackowiak), und das hat alles seine Richtigkeit so. Die Mannschafter sind natürlich wieder gearscht - ein Munitionslift geht direkt bei denen durch den Saal. Ich weiß ja nich, wie ihr das seht, aber wenn ich an meinem Labskaus löffel und mir dann ansehen muss, wie ein paar arme Säcke ein 500-Pfund Splitterbombe aufs Flugdeck karren, da wärs mir etwas seltsam zumute. Vor allem wegen dem Labskaus.

Auf dem Flugdeck aalen sich die Düsenjäger und Chopper (im Sinne Helikopter, nicht im Sinne Harley Davidson - was wohl auch cool wäre...) in der fetten südkalifornischen Sonne. Ich glotze. Nochmal unter Deck, diesmal in die Kommandozentrale für die Admiräle. Ach, da haben wir ja schon die größte Kajüte an Bord, für die armen Männer, die schwer an ihren Abzeichen tragen. Man gönnt sich ja sonst nix.

Und weil ich einerseits so faul bin und andererseits so an die 200 Fotos gemacht habe, muss ich mich schon wieder entschuldigen. Knippserlein werden nachgebessert, sobald ich mich entschieden habe, was ich euch antun kann.

Bis zum Übernächsten,
Robert

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