13. Januar: Nach unruhiger Nachtruhe und Körperpflege gehts ab zum Frühstück: Ruby's, ein kleines Bistro im Stil der 50er Jahre auf einem Pier am Strand von Huntington Beach. Ich bestelle ein "Awesome Egg Sandwich" - und hier wird awesome im alttestamentarischen Sinne gemeint, nämlich "ehrfurchteinflößend". Von mir liegt nun ein Sandwich von der Form und Größe, die entfernt an einen Brotlaib erinnern. Belegt ist das Ganze mit Spiegeleiern, viel Spiegeleiern, unerhört viel Spiegeleiern. Dazu gibts Bratkartoffeln, die durch einen unerwartet hohen Gemüsegehalt und eine gewisse Blässe auffallen. Ich schaffe gerade mal die Hälfte, und auch das nur unter Zuhilfenahme eines großen Glases Wasser.
Danach Einkaufen. Kasey meint, ich bräuchte unbedingt Slipper der Marke "Vans" - meine Wanderstiefel sind für das Klima eher ungeeignet. Nach einem Abstecher zum passenden Spezialgeschäft erblicke ich eine Mauer von Slippern in den unmöglichsten Mustern und Farben - und das sind alles nur die Ausstellungsmodelle, die eigentlichen Schuhkartons finden hier gar keinen Platz mehr. Ich entscheide mich für ein Paar hellblaue Slipper, amerikanische Größe 11 1/2 (Nebenbemerkung: Warum gibt es keinen ISO-Standard für Schuhgrößen?). Während ich die Schuhe teste, tastet Kasey ungeduldig auf seinem Apple iPhone herum. Er sucht schon nach einer passenden Digitalkamera für mich, die Webseiten der großen Elektronikfachverkaufshäuser stellen sich aber auf Stur. Ich bezahle die Slipper und stelle fest, dass die Preise hier ohne Verkaufssteuer ausgewiesen sind - da werden aus meinen wunderschön glatten 40 Dollar ganz schnell 43,50. Nebeneffekt: Ich habe jetzt Kleingeld!
Ab nach Hause, Internet checken. Ich treffe Kaseys Schwester Caitlyn und nehme die Gelegenheit wahr, meine Schatztruhe an Schokolade zu öffnen. Ich salbe mich etwas in der allgemeinen Dankbarkeit und laufe ein paar Schritte in den Schuhen. Caitlyn fragt, ob sie mir passen: ich gebe zu bedenken, dass das hintere Ende an meiner Ferse scheuert. Sie lacht. Das ist immer so mit Vans - erstmal ein paar Tage einlaufen (und Hornhaut entwickeln!).
Kurzer Zwischenstop bei einer Bank, um meine restlichen Euros zu wechseln. Erst jetzt merke ich wirklich, dass es eigentlich Sonntag ist, da die Bank geschlossen ist.
Wir fahren zu Fry's, da Kasey meint, nach eingehender Recherche dort ein gutes Angebot entdeckt zu haben. Er schärft mir ein, mich nicht mit den Verkäufern einzulassen. Der Laden selber erinnert mich eher an einen Baumarkt als so etwas wie Saturn - hohe Decke, hohe Regalreihen. Ich entdecke etwa 36 (!) Kassen an einem gigantischen Tresen. Die Innendeko erinnert an einen griechischen Tempel. Kasey klärt mich auf, dass alle Fry's-Fillialen ein "Thema" hätten. Er schleift mich zum Regal für Kameras, zielsicher wie ein Bluthund. Ich greife fast reflexartig nach einer Canon SD1000, er merkt sich die Typenbezeichnung und wir hauen ab. Wo gibts die Ware? Verkäufer anreden. Die vorherige Warnung klingelt mir noch in den Ohren...
In einem Blitzgewitter von schnellen Worten reden Kasey und der Verkäufer miteinander. Ich verstehe angesichts des Lautstärkepegels und meiner zunehmenden Müdigkeit nur wenig. Es gibt wohl keine ungeöffnete Kamera dieses Typs mehr, aber eine geöffnete Variante, preisreduziert. Wir öffnen den Karton, sieht alles gut aus, Kamera springt an. Der Verkäufer bietet uns eine Speicherkarte zusätzlich an, stark reduziert. Wie im Taumel wird zugegriffen, und dann stehen wir an der Kasse mit einem Schriebs, der den Deal zusammenfasst. Nach nichtmal zehn Minuten in dem Laden bin ich um 200 Dollar leichter.
(Nachtrag: Die Kamera war es aber wert. 1a Qualität.)
Wir schlagen bei Kasey auf, hauen das Akkuladegerät der Kamera in eine mühsam erkämpfte freie Steckdose. Er fragt mich, was ich denn zum Mittag essen will. Ich kann nur noch "Schlaf" antworten, weil mir die Erschöpfung auf einmal durch den ganzen Körper zuckt. Er lächelt. Das ist der "Crash", das ultimative Resultat von Jetlag. Es ist 4 Uhr Nachmittags und ich hau mich ins Bett, will von Kalifornien bis auf weiteres nix mehr wissen.
Gegen Mitternacht wache ich wieder auf, gehe ins Wohnzimmer. Kasey guckt noch Fernsehen - auf einem Flatpanel-HDTV mit grob geschätzen 1 Meter 50 Bilddiagonale, nämlich eine Dokumentation über deutsche Autobahnen. Er sagt, jetzt wäre Taco-Zeit - andere Restaurants hätten nicht mehr auf. Ich winke ab, das Sandwich vom Frühstück verdaue ich immer noch.
Und dann wieder ins Bett, mein Schlafzyklus ist jetzt endgültig ruiniert. Morgen gehts nach LA...
Dienstag, 15. Januar 2008
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