(Letzter Nachholpost, lest auch "Der Crash", der sich um den 13. dreht.)
14. Januar: Ich wache auf wie erschlagen. Körperpflege, anziehen, Rick kommt ins Zimmer. Während Kasey duscht, unterhalten wir uns über Waffen. (Ich kann mir schon vorstellen, wie Mutti jetzt zusammenzuckt!) Ich fühle mich besser und etwas mehr in meinem Element, also steige ich darauf ein. Rick meint, dass Kalifornien mit die schärfsten Waffengesetze in den USA hätte, aber im Vergleich zu Deutschland ist das fast lachhaft. Er sagt mir, dass er einen neuen Revolver bestellt hat - kurzer Lauf, großes Kaliber, Titankonstruktion. Zum Wandern, sagt er. In den Bergen gibts Bären. Er erzählt mir kurz von einem Bekannten, den er mit einem Lächeln als "verrückt" bezeichnet - dieser hat sich ein neues Gewehr gekauft, ein Barrett M82. Kaliber 5o, Anti-Material-Gewehr - damit schießt die US Army im Irak auf einen Kilometer Entfernung Geländefahrzeuge kaputt. Rick lächelt und sagt, dass dieses Kaliber in Kalifornien so gut wie vollkommen verboten ist. Ob er auch so ein Gewehr will? Nein, viel zu unpraktisch und schwer, außerdem ist die Munition verdammt teuer. Aber hier gehts um Prinzip!
Kasey und ich fahren erstmal Frühstücken, diesmal in ein Drive-In - Carl Jr's. Ich bestelle mir eine kleine Portion frittierte Hühnerbruststücken, Kasey steigt voll ein mit doppeltem Cheeseburger und Fritten. Ich stelle fest, dass die "kleine" Portion vollkommen ausreicht. Auf dem Highway nach LA teste ich die Kamera: Ich kann sie kaum genug loben. Unter den fiesesten Bedingungen kommen scharfe Bilder heraus. Kasey meint, dass die Bildstabilisation in der letzten Generation wirklich gut geworden ist. Über die lauter werdenden Schallwellen von K-ROQ (Kaseys Lieblingssender) stimme ich zu und knipse weiter.
Unser erstes Ziel ist der "Toy District", ein Teil von "Little Tokyo". (Als ich Kasey sage, dass ich bei dem Namen an die alte Trickfilmserie "Samurai Pizza Cats" denken muss, lacht er.) Wir stellen den Golf in einem Parkhaus ab und gehen zu Fuß weiter; Kasey sieht mich freizügig rumknipsen und rät mir, etwas vorsichtiger zu sein. Der "Toy District" ist, gelinde gesagt, nicht die beste Ecke von LA. Obdachlose und Straßenverkäufer geben sich die Klinke in die Hand. Vollgepackte Geschäfte mit Waren dubioser Herkunft ziehen sich durch das Viertel wie die Löcher in einem schweizer Käse. Ich fühle mich zwar nicht unsicher, aber ich halte die Hände in den Taschen und hänge an Kasey wie eine Klette.
Einige Straßen weiter betreten wir die U-Bahn. LA hat einige U-Bahn-Linien, aber nicht wirklich genug. Der Boden ist zu weich...und die Stadt viel zu groß. Die Bahnhöfe sehen alle gleich aus, hohe Decken aus Spritzbeton, alles modern eingerichtet. Kasey nennt mir einen dritten Grund, warum es nur wenige U-Bahn-Linien gibt: Man findet kaum Grundstücke, um die Stationen zu bauen.
Wir fahren nach Hollywood. Keine wirkliche Tour, mehr kurz gestreift. Ich mache Fotos von Graumann's Chinese Theater und finde endlich eine Wechselstelle für meine Euros, nachdem ich mich durch eine Horde japanischer Touristen gekämpft habe. Zurück mit der U-Bahn, ab nach Little Tokyo, Snacks einwerfen. Wir essen Eiskrem mit Reisteigmantel (lecker!), dann holen wir den Golf und zischen los, Richtung Griffith Park. Innerstädtischer Park, größer als Central Park in New York. Wir wollen zum Observatorium, das ist aber leider wegen ner veranstaltung abgesperrt. Wir rasen an den genialsten Aussichten vorbei, aber es gibt keinen Ort, wo wir für Fotos anhalten können.
Weiter nach Mulholland Drive. Eine Bergstraße voller Promivillen. Wir finden endlich einen Haltepunkt und sehen San Bernadino Valley, die andere "Hälfte" von LA. Nochmal vier Millionen Menschen. Die Aussicht raubt mir den Atem. (Hab ich schon erwähnt, dass meine Füße zu diesem Zeitpunkt lautstark protestieren? Das war eher weniger schön...)
Nach einigem weiteren Touren bei überhöhter Geschwindigkeit (O-Ton Kasey: Ein ordentlicher Sportwagen nimmt jede Kurve locker beim doppelten des ausgewiesenen Tempolimits...) meldet sich mein Magen. Wir fahren runter nach Santa Monica, genießen kurz den Sonnenuntergang am Strand. Mulholland Drive zurück, noch mehr Fotos, diesmal von LA bei Nacht. Dann ab zu Phillippe's.
Der Laden ist ein Phänomen. Fast 100 Jahre alt (in LA ist das Steinzeit!), und sieht immer noch genau so aus wie in den 60ern. Es gibt Sandwiches, getunkt in fette Bratensoße, mit scharfem Senf. Ich schaffe gerade mal eins, Kasey verputzt gleich drei. Lecker, lecker, lecker! (Wirklich, die todesmutige Verachtung von jedem Prinzip gesunder Ernährung führt uns zu sehr wohlschmeckenden Mahlzeiten. Im Hinblick auf die Versorgungslage als Wohnheimstudent genieße ich die Woche!)
Dann zurück nach Hause, endlich. Mein Kopf schwirrt vor der Bilderflut. Wir treffen Caitlyn zuhause, hocken im Wohnzimmer, während die auf einer der drei XBox 360 in Haus das Spiel "Mass Effect" zockt. Kasey und ich unterstützen sie mit Rumgegröhle, Hohn und schließlich hart verdienter Anerkennung!
Und ab ins Bett. Schnarch...
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Fotos von diesem Tag findet ihr hinter diesem Link: Hier.
Sind leider in der verkehrten Reihenfolge (also von vorne nach hinter falschrum), aber da arbeite ich noch dran...
Dienstag, 15. Januar 2008
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